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Emetophobie - Phobien sollten nicht unterschätzt werden! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Autorin der Redaktion bekannt   
Dienstag, 19 Juni 2012

Alle Menschen haben sie - und alle Menschen kennen sie. Was? Die Phobien! Heutzutage gibt es alles Mögliche an Phobien, teilweise wirklich ernst zu nehmende, teilweise schon lächerlich wirkende Phobien. Allerdings werden viele Phobien einfach abgestempelt, nach dem Motto „so eine Phobie ist doch unnötig“ oder „nicht ernst zu nehmen“.

Bei einer dieser Phobien handelt es sich um die sogenannte „Emetophobie“, kurz „Emo“ genannt. Dabei hat die Phobie nichts dergleichen mit den sogenannten „Emos“ zu tun, sondern beschreibt die Angst davor, sich übergeben zu müssen.

Die meisten Menschen denken sich wahrscheinlich, dass so eine Phobie nichts großartiges im Leben verändern kann, jedoch haben sie dabei eindeutig falsch gedacht.
Niemand kann genau sagen, wie eine „Emo“ entsteht. Manchmal sind Erlebnisse aus der Kindheit dafür verantwortlich, beispielsweise, dass man sich vor anderen übergeben hat und ausgelacht wurde oder man sogar Ärger bekam. Doch auch ohne es zu merken, kann sich diese Art Phobie entwickeln.
Dabei äußert sie sich bei jedem Menschen anders, da die Betroffene auch vor den verschiedensten Situationen einfach Angst haben können. Während die einen nur befürchten, sich in der Öffentlichkeit zu übergeben, bekommen andere schon regelrecht Panik, wenn sich jemand in ihrer Nähe übergibt. Am Schlimmsten trifft es die, welche vor all dem Angst haben, egal wo sie mit wem sind oder ob sich nur jemand im Film übergibt oder direkt neben einem.
Bei dieser Phobie kann es schon durch die leichtesten Auslöser zu regelrechten Panikattacken kommen. Beispielsweise lediglich ein Magengrummeln verursacht bei dem ein oder anderem Panik. Diese Panik äußert sich oft durch Schweißausbrüche, Atemprobleme, Verwirrtheit, Herzrasen usw. Teilweise dauert es bis zu mehreren Stunden (im Extremfall sogar Tage), bis sich die betroffene Person wieder beruhigt hat. Manchen hilft es, wenn sie dann eine Vertrauensperson bei sich haben, welche einen beruhigen oder einfach bei einem sein kann. Andere dagegen versuchen lieber alleine damit fertig zu werden. Oftmals gibt es auch die Personen, welche selber nicht wissen, ob es hilfreich ist, eine beruhigende Person in der Nähe zu wissen oder ob dies die Panik womöglich noch steigert.
Durch die „Emo“ kommt es oft zu einem „Vermeidungsverhalten“ der Betroffenen. Dabei versuchen sie Situationen aus dem Weg zu gehen, in denen eine höhere Gefahr besteht, mit dem Thema „Übergeben“ konfrontiert zu werden. Dieses Verhalten beginnt schon damit, auf unbekanntes Essen zu verzichten, bis hin zu Menschen, die sich gar nicht mehr vor die Tür wagen.
Oftmals verschlimmern auch bestimmte Orte die „Emo“, beispielsweise Bus und Bahn, da dort keine Möglichkeit besteht, falls einem schlecht wird schnell eine Toilette aufzusuchen. Aus diesem Grund gibt es auch Phobiker, welche immer eine Tüte mit sich tragen, andere dagegen haben durchgehend etwas gegen Übelkeit bei sich.

Dies ist auch einer der Gründe, durch die diese Art Phobie entsteht. Der Mensch hat keinerlei Kontrolle über seinen Körper, wenn er sich übergeben muss. Er schafft es höchstens einige Sekunden alles zurückgehalten, ehe er sich übergibt. Und wer verliert schon gern die Kontrolle über etwas, was eigentlich Bestandteil des eigenen Körpers ist? Ein möglicher weiterer Grund ist die „Gefahr“, dass es nach einem Mal übergeben nicht vorbei ist. Manchmal weiß man schließlich nicht genau, ob nun alles geschafft ist, oder ob man einen Virus bekommen hat, weshalb man sich noch öfters übergibt.
Ein Magen-Darm-Virus kann für Menschen mit einer „Emo“ teilweise die schlimmste Zeit ihres Lebens bedeuten. Normalerweise kann man eingeschränkt verhindern, dass es zum Übergeben kommt, doch bei einem solchen Virus gibt es meist kein Mittel gegen Erbrechen. Zwar werden heutzutage verschiedene Medikamente gegen Erbrechen oder Übelkeit angeboten, jedoch sind auch diese meist nutzlos, wenn es drauf ankommt. Manche Medikamente können sogar zum Gegenteil führen, sie beschleunigen nur den Prozess des Übergeben.

Doch die Panikattacken allein sowie das „Vermeidungsverhalten“, sind nicht die einzigen Folgen einer Emetophobie. Oft kommt es zu einem Sinken des Selbstbewusstseins oder Selbstwertgefühls, da man persönlich mit einem Thema so stark Probleme hat, bei dem andere nur die Schulter zucken. Der Phobiker sieht sich selbst als schwach, seiner Angst dermaßen ausgeliefert zu sein und sie desweiteren auch nicht in den Griff zu bekommen, während andere Menschen in seiner Umgebung kein Problem damit haben, wenn sie sich mal übergeben müssen.
Desweiteren kann die Beziehungsfähigkeit eines Phobikers eingeschränkt werden. Er weiß nicht genau, wie er mit anderen Menschen in seiner Situation umgehen soll, wodurch ein Wechselverhalten zwischen „Nähe“ und „Abstoßen“ entsteht. Hinzu kommt bei Frauen auch eine extreme Angst davor schwanger zu werden, da eine Schwangerschaft in den ersten Monaten Morgenübelkeit sowie Erbrechen beinhalten kann. 
Ebenfalls beeinträchtigt wird die emotionale Erlebnisfähigkeit. Der Phobiker verbringt einen Großteil seiner Zeit damit, seine Panik oder Angst zu unterdrücken und sich, vor allem im Beisein Anderer, nichts anmerken zu lassen. Dadurch ergreift diese Angst irgendwann die Überhand, was das Empfinden von anderen Emotionen erschwert. Diese über allem stehende Angst behindert das gesamte Leben eines Phobikers, da sie ihn an vielen Aktivitäten hindert.
Sollte es wirklich so weit kommen, dass die Emetophobie das gesamte Leben einschränkt, hilft meist als letzter Ausweg nur eine Therapie. Es gibt verschiedene Arten der Therapie und schon viele konnten dadurch ihre Angst in den Griff bekommen. Natürlich sollte man davon ausgehen, dass sie nicht ganz verschwindet (was jedoch auch schon vorkam), allerdings vereinfacht sich das Leben, wenn man lernt mit dieser Panik umzugehen.

Ich persönlich spreche bei dem Thema aus Erfahrung, auch wenn nicht alle Punkte auf mich zutreffen. Seit ca. drei Jahren habe ich eine „Emo“, wobei ich am Anfang noch dachte, dass ich einen ziemlichen Schaden habe und es kaum andere Menschen gibt, mit derselben Panik. Lediglich meiner Schwester ging es genauso. Wahrscheinlich habe ich sogar von ihr diese Phobie übernommen, da es mir dies früher alles relativ egal war. Es war nie schön, sich zu übergeben, aber eine Panik hatte ich nicht davor. Als diese Phobie bei meiner Schwester schließlich besser wurde, wurde sie bei mir erst richtig schlimm. Mir war andauernd schlecht, ich hatte Bauchschmerzen und das alles nur, weil ich Panik schob, dass etwas sein könnte. Die Ärzte haben auch nie etwas gefunden, ich war vollkommen gesund. In den Sommerferien vor drei Jahren kam es dann zum „Höhepunkt“ meiner Phobie. Ich wachte jede Nacht schweißgebadet auf, weil ich Angst hatte, mich übergeben zu müssen. Ich aß drei Wochen so gut wie gar nichts mehr, wodurch ich auch sehr stark abnahm. Meine Familie kümmerte sich anfangs gut um mich, doch dem ein oder anderem wurde alles zu viel, was es für mich nur noch erschwerte.
Dies war mit die schlimmste Zeit, seit der ich diese Phobie habe. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich mich wieder in Griff bekommen habe, allerdings habe ich es geschafft. Meine beste Freundin wusste von all dem und sie half mir auch in der Schule, falls ich mal leichte Panik bekam.
Natürlich blieb es nicht aus, dass ich mich in all den Jahren mal übergeben habe. Meist blieb ich dabei sogar noch recht gelassen, erst ca. zwei Tage später verschlimmerte sich alles wieder.
Bei mir persönlich ist es einfach die Angst, mich vor anderen übergeben zu müssen oder es nicht rechtzeitig zur Toilette zu schaffen. Außerdem esse ich nicht mehr alles und bin sowieso sehr vorsichtig, was meine Mahlzeiten angeht. 

Früher blieb ich bei dem kleinsten Anzeichen von Übelkeit o.ä. zu Hause, wodurch es zu sehr viel Fehlstunden in der Schule kam. Inzwischen schaffe ich es jedoch meist, mich aufzurappeln und trotzdem zur Schule zu fahren.
Es gibt Tage, an denen alles wieder etwas schlimmer ist, aber auch welche, an denen ich gut mit meiner Phobie klar komme. Ich habe nie eine Therapie besucht, auch wenn ich öfters mal drüber nachgedacht habe. Doch die Panikattacken sind von sich aus seltener geworden und ich hoffe auch wirklich, dass es so bleibt. Wenn ich Panik bekomme, gelingt es mir meist mich innerhalb einer halben Stunde zu beruhigen, während es vor drei Jahren noch bis zu drei Stunden dauerte.

Ich habe es geschafft, mit dieser Phobie zu leben, auch wenn ich in manchen Situation eingeschränkt werde. Wenn ich mir Berichte von anderen Phobikern mit einer „Emo“ durchlese, denke ich mir meist auch, dass es mich gar nicht so schlimm getroffen hat. Schließlich traue ich mich noch raus, fahre in Urlaub und gehe sogar auf Partys o.ä. Außerdem trägt zu dieser Verbesserung wohl auch bei, dass sich ausgerechnet in meiner Nähe öfters mal Leute übergeben. Sogar als ich ein Mal im Zoo war, hat direkt vor meiner Nase ein Affe gekotzt... Aber so etwas härtet ab. In manchen Fällen kann es die Phobie verschlimmern, aber ebenso auch verbessern. Ich würde mich niemals freiwillig übergeben, in der Hoffnung, es dadurch nicht mehr so schlimm zu finden. Ich hoffe einfach weiter, dass dies nicht mehr so oft vorkommen wird und ich weiterhin ganz gut mit dieser Phobie leben kann.
Ich habe diesen Artikel geschrieben, um zu verdeutlichen, dass jede Phobie ernst genommen werden sollte. Man sollte Menschen mit Phobien wie einer „Emo“ nicht als verrückt abstempeln, denn sie kann das Leben sehr negativ beeinflussen und erschweren.

 

Letzte Aktualisierung ( Samstag, 23 Juni 2012 )
 
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